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Räuchern mit heimischen Kräutern

Von Marlis Bader

johanniskraut
Das heimische Räuchern ist heutzutage meist nur noch zum Konservieren von Fleisch und Fisch bekannt. Das geistige Räuchern ist eine leider vergessene Kunst im Abendland. Alle Kulturen der Welt nutzten die Wirkung des heiligen Rauches auf einer sehr breiten Ebene.

Ich höre oft: „Endlich sind wir in das schöne alte Haus gezogen. Lange Jahre haben wir dafür gespart und jetzt fühle ich mich dort nicht wohl, bekomme Depressionen, obwohl doch alles so schön dort ist!“ Denn oft wenn wir eine neue/alte Wohnung oder ein Haus übernehmen, übernehmen wir auch die Vergangenheit und das Karma des Gebäudes bzw. des Ortes gleich mit.
In asiatischen Kulturen ist das keine Frage, denn da wird als erstes der Priester/ Geisteraustreiber geholt, bevor eingezogen oder gebaut wird. In unserer Kultur gab es dieses Wissen auch und wir müssen dafür nicht auf asiatische und sonstige Traditionen ausweichen. Wir müssen dafür nur in die Lehre gehen, bei alten Kräuterweibern und Bauernwissen und in alten Archiven graben. Ist dann erst mal ein Anfang gemacht, erzählen uns die Pflanzen selber viel über sich und ihre Kräfte. Denn unsere heimischen Pflanzen sind es, die uns in solchen und ähnlichen Situationen ihre Hilfe anbieten. Denn ihr Pflanzengeist hat die Kraft zu reinigen, zu transformieren und zu schützen. Um diesen Pflanzengeist von der Materie zu befreien, räuchern wir mit den Kräutern. Der aromatische Rauch kann sich so über uns und den Ort ausbreiten und sein heilendes Werk vollbringen.
Es wurden und werden auch heute noch in anderen Kulturen Pflanzen und Harze zum geistigen Räuchern verwendet. Es wird zum Gebet, zum Schutz, zur Anrufung, Reinigung, Heilung, Meditation und Magie geräuchert.
Und genauso haben es auch unsere Vorfahren gemacht. Sie haben zu allen wichtigen Gelegenheiten des Lebens geräuchert. Bei Geburt genauso wie bei Tod, bei Heirat, in Krankenzimmern oder einfach nach dem Winter, um den alten Mief loszuwerden und Stall und Hof zu desinfizieren. Damals nannte man das „die Krankheitsdämone vertreiben“. Im frühen Mittelalter sind dann noch die kostbaren orientalischen Harze wie Weihrauch, Myrrhe, Benzoe, Styrax etc. hinzugekommen. Diese mit heimischen Harzen, Wurzeln und Kräutern gemischt, ergeben einen wahren Räucherschatz.
Magische Zeiten im Jahr waren die 8 Jahreskreisfeste. Unsere Ahnen gingen davon aus, dass in diesen Zeiten der Schleier zur Anderswelt dünner als sonst war und sie dadurch leichter Kontakt mit den Kräften und Gottheiten herstellen konnten. In ihren Ritualen begleitete sie der aromatische Rauch meist heimischer Pflanzen und Harze. Einiges Wissen hat sich im Brauchtum erhalten, wo wir es wieder ausgraben können. So wurde etwa am Allerseelentag den Ahnen mit Rauchopfern gedacht und in den Losnächten oder Rau(ch)nächten nach Weihnachten das Geschick des kommenden Jahres durch den Rauch „erschaut“. Zu Lichtmeß und am Karfreitag wurden Haus und Hof gereinigt und zu Erntedank und den Sonnwenden wurde segnend mit dem Rauch gedankt. 

beifussWichtige heimische Kräuter, Harze und Gehölze sind unter anderem:
Der Wachholder, Krähenbeere, Machantelbaum oder Kranewit wie er im Volksmund auch genannt wird. In Zeiten der Pest brannten am Rande der Städte große Wacholderfeuer und die Häuser wurden mit ihm ausgeräuchert. Zusammen mit Thymian (Feldthymian) wirkte er gegen die „Krankheitsdämonen“ was sicherlich der antiseptischen Wirkung der Pflanzen zuzuschreiben ist.
Auf der emotional-seelischen Ebene, in die das Räuchern immer hineinwirkt, wird dem Wachholder der Zugang zu den stärkenden Ahnenkräften zugeschrieben und dem Thymian das Unterstützen des Lebensmutes. Die Engelwurz, eine weitere wichtige heimische Räucherpflanze, wurde zum Schutz im Haus verräuchert. Man hegte die Vorstellung, dass die Engelwurz ein Engel in Pflanzengestalt ist und das Gebäude mit Lichtenergie durchflutet. Für mich ist die Engelwurz mit ihrer starken Transformationskraft eine der wichtigsten Räucherpflanzen zum energetischen Reinigen in alten Häusern. Gerne mische ich sie mit duftenden Harzen wie Copal, Weihrauch oder Styrax.
Um bei „geladener Atmosphäre“ und Streitenergie Entspannung zu unterstützen, sind Beifuß, Johanniskraut, Königskerze und Rainfarn wichtige Räucherkräuter.
Immer wieder bin ich berührt von der wohltuenden, lösenden Kraft, die durch eine Räucherung entsteht und freue mich dass dieses alte Wissen auf immer mehr Interesse stößt.

 

portrait_baderMarlis Bader
ist Expertin für abendländische Räucherkunde und freie Mitarbeiterin der Blumenschule Schongau. Sie schöpft aus altem Wissen um Räucherwerk und Rituale.
Zum Thema sind ihre Bücher “Räuchern mit heimischen Kräutern” und “Wohnen in guter Energie” im Kösel-Verlag erschienen.
Ihre Werkzeuge zur Prozessbegleitung sind freie rituelle und systemische Aufstellungsarbeit, Ritualarbeit und Räucherungen.
www.marlis-bader.de

 

Buchtipp:

cover_baderMarlis BaderRäuchern mit heimischen Kräutern
Anwendung, Wirkung und Rituale im Jahreskreis
Taschenbuch, 240 Seiten,
ISBN: 978-3-442-21811-0
€ 8,95

 


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mit heimischen Kräutern

Anwendung, Wirkung und Rituale im Jahreskreis

Originaltitel: Räuchern mit heimischen Kräutern
Originalverlag: Kösel

Taschenbuch, Broschur, 240 Seiten, 12,5 x 18,3 cm
4farb. Fotos
ISBN: 978-3-442-21811-0
€ 8,95 [D] | € 9,20 [A] | CHF 15,50* (empf. VK-Preis) empfohlener Verkaufspreis

Verlag: Arkana