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Die große Wandlungskraft der Pflanzen
Pflanzen als Begleiter auf dem Lebensweg

Von Svenja Zuther

zuther_ackerschachtelhalm

Der Jahresbeginn ist oft eine Phase der Neuorientierung. Viele nutzen die Zeit zwischen den Jahren, um den Gedanken mal wieder ein wenig freien Lauf zu lassen, um zurückzublicken und sich für das neue Jahr auszurichten.
Was war gut, was war schlecht? Und was möchte ich weitermachen? Oder was wünsche ich mir anders fürs neue Jahr? Traditionell ist es die Zeit der „guten Vorsätze", mit denen man beschließt, schlechte Gewohnheiten aufzugeben.


Früher war die dunkle Zeit zwischen den Jahren, die gleichzeitig den Keim des Lichts für den nächsten Jahresumlauf in sich trägt, eine wichtige Zeit für Orakel. Mit allen möglichen Methoden stellte man Fragen an die Zukunft und zum Teil tun wir das auch heute noch etwa mit dem traditionellen Bleigießen. Wobei es vielleicht oft viel wichtiger ist, welche Fragen wir uns stellen als welche Antworten wir bekommen ...
Nun hat das neue Jahr begonnen. Oft verliert man im Alltag schnell wieder den Glauben daran, dass es möglich ist, sich und sein Leben bedeutend zu verändern. Die beflügelnde magische Atmosphäre der Silvesterfeierlichkeiten fällt schnell dem ernüchternden Alltag zum Opfer und all die Hoffnungen, dass man sich sein Leben verschönern und verbessern kann, verlieren sich.
Dabei können wir uns jederzeit von den Pflanzen helfen lassen.
Seit über zehn Jahren arbeite ich nunmehr intensiv mit (Heil-)Pflanzen und erlebe ihre große Wandlungskraft an mir selbst und in der Begleitung anderer Menschen. Pflanzen können nicht nur unsere Körperfunktionen unterstützen oder harmonisieren, sie können uns auch helfen, uns selbst besser kennen zu lernen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Und sie unterstützen uns kraftvoll, entsprechende nötige Veränderungen in unserem Leben umzusetzen. Vielleicht können wir sie sogar als Freunde und Verbündete gewinnen. Pflanzen sind uns gute Lehrer, die uns helfen, unser Leben zu reflektieren und bewusst zu gestalten.
Im Spiegel der Natur erkennen wir uns selbst.
Wenn wir einmal nicht weiterwissen, kann es hilfreich sein, Pflanzen in der Natur zu beobachten. Wie wir die Natur im Außen wahrnehmen, hat immer auch etwas mit unserer eigenen Natur zu tun. Aus der unendlichen Vielfalt an möglichen Wahrnehmungen wählen wir das aus, was für uns gerade von Bedeutung ist. Deshalb kann uns das Hinterfragen der eigenen Wahrnehmungen immer viel über uns selbst und unsere momentane Situation erzählen. Je offener wir dabei sind, die Natur zu beobachten, desto häufiger können wir auch erkennen, dass es in der Natur viele Dinge gibt, die wir gar nicht für möglich gehalten hätten, die unseren gegenwärtigen Horizont überschreiten. Das befreit und bereichert uns. Die Beobachtung der Natur regt uns an, unser bisheriges Weltbild zu überdenken und neue Sichtweisen zu entwickeln. Es entstehen neue Lösungsansätze, auf die wir alleine nicht gekommen wären. Im Austausch mit der äußeren Natur erkennen wir die Möglichkeiten unserer inneren Natur!

Die Natur inspiriert uns!
Und das tut sie im wahrsten Sinne des Wortes.
Inspiration (lat. inspiratio) heißt Begeisterung. Die Natur schenkt uns Energie und Kreativität und sie verbindet uns in der Tat mit einer geistigen Welt. Pflanzenseele, Pflanzengeister oder Pflanzendevas – wir haben keine Worte für das, was uns heute so schwer fällt zu glauben – was wir aber mit ein bisschen Offenheit jederzeit erfahren können: Pflanzen sind mehr als organisierte Ansammlungen von Zellen: Pflanzen sind Lebewesen, mit denen wir in Kontakt treten können! Pflanzen verfügen über ein Bewusstsein und bieten uns einen offenbar recht einfachen Zugang zu anderen, „höheren" Bewusstseinsebenen, zu einer konfessionslosen, ganz natürlichen Spiritualität.
Pflanzen wurden und werden in fast allen Kulturen als göttliche Wesen betrachtet oder aber als Mittler zu einer göttlichen Instanz. Nur unsere eigene moderne, technisierte und natur­entfremdete Kultur scheint das vergessen zu haben, so wie wir überhaupt vergessen haben, dass wir neben unseren körperlichen und geistigen auch seelische und spirituelle Bedürfnisse haben. Die Existenz anderer Wirklichkeiten und Bewusstseinswelten haben wir aus unserem Weltbild entfernt. Obwohl wir eigentlich wissen sollten, dass unserer Alltagswirklichkeit damit Anfang und Ende fehlen! Die Beschäftigung mit Pflanzen kann uns an das Eigentliche, Natürliche wieder anbinden. Die Beobachtung von Pflanzen hilft uns wieder zu erkennen, was Leben ist und was das Leben ausmacht. Durch die Kommunikation, den Austausch, mit Pflanzen können wir völlig neue Dimensionen von Lebensqualität erfahren!

„Die wunderbaren Qualitäten, die ich bei ihnen fand – in jeder Pflanze andere, sind Eigenschaften, die auch wir Menschen in uns tragen. Indem wir auf dem inneren Weg eins mit ihnen werden, fördern wir jene Qualitäten in uns selbst und werden wahrhaft zu dem, was wir in Wirklichkeit sind."
(Dorothy Maclean 2006:16)


Einige Beispiele:
zuther_brennesselDie Brennnessel ist als Stoffwechsel anregende und entgiftende Pflanze bekannt. Darüber hinaus kann sie uns auf allen Ebenen feurige Energie vermitteln und uns unterstützen nicht nur unseren Körper, sondern unser ganzes Leben aufzuräumen und zu entgiften – zu befreien von Dingen, die uns belasten. Der Ackerschachtelhalm ist ebenfalls eine entgiftende, insbesondere bindegewebsreinigende Heilpflanze. Die schmucklose, auf das klare Gerüst reduzierte Pflanze kann uns helfen, unser Leben besser zu ordnen und zu strukturieren, uns nicht in Nebensächlichkeiten zu verlieren.

zuther_storchschnabelAuch der Stinkende Storchschnabel (Geranium robertianum L.) ist eine klärende und reinigende Pflanze, die ihre Kraft jedoch eher auf der seelischen Ebene entfaltet. Es ist eine Pflanze, die für mich persönlich auf meinem Lebensweg sehr wichtig war. Als ich noch in meiner Heimatstadt Berlin lebte, suchte ich immer nach „Oasen" für mich, wo ich möglichst wilde Natur erleben konnte. So liebte ich die „ungepflegten" Orte und spazierte oft entlang von verlassenen und verwahrlosten Grundstücken. Dort fiel mir immer wieder die Pflanze mit dem hässlichen Namen ins Auge. An den doch recht rauhen und oft auch vermüllten Orten war diese Pflanze so zauberhaft lieblich, so zart und doch so stark – sie brachte Schönheit an diesen Ort.
Ich wollte mehr wissen über sie, doch in meiner umfangreichen Pflanzenbibliothek fand ich nur sehr wenig Informationen. Dass sie als entzündungshemmende Gerbstoffpflanze bei Durchfall und Hauterkrankungen hilfreich sein kann, erklärte mir nicht diese so positiv bezaubernde Kraft, die ich bei ihr spürte. So habe ich sie einfach betrachtet, sie beobachtet, ein Blatt gekostet usw. und versucht, meinen Reaktionen darauf aufmerksam zu folgen. In ihrer äußeren Erscheinung habe ich ihre Kraft wiedererkannt, chaotische und irritierende Zustände mit Klarheit und Schönheit zu besänftigen (Vgl. Zuther 2010:262).
Ihren Geruch empfand ich anfangs noch als unangenehm. Mit wachsender Vertrautheit zu ihr, lernte ich ihn als Zeichen ihrer gewaltigen Kraft zu lieben. Über längere Zeiträume habe ich auch die wesenhafte Urtinktur „Geranium robertianum" eingenommen und ich spürte, wie diese Pflanze mich immer reiner macht, mich hinführt zu einem Gefühl, mich in einer Atmosphäre von Klarheit und Schönheit zu befinden. Mit der Zeit begriff ich, dass dies ein Zustand ist, den ich brauche, damit es mir gut geht und den ich damals in meinem Leben nur schwer verwirklichen konnte. Allzu oft fand ich das Leben in der Großstadt Berlin sehr belastend, unter anderem, weil ich viel mit der, nicht immer angenehmen Energie fremder Menschen konfrontiert war. Diese Pflanze half mir immer wieder, einen Raum zu schaffen, in dem ich mit mir selbst im Reinen und ganz bei mir sein kann und das war für mich die Basis, um mein Leben nach meinen ureigenen Wünschen und Zielen auszurichten. Im Rahmen der ganzheitlichen Pflanzenheilkunde lernte ich sie dann auch immer mehr als Pflanze zu schätzen, die von den Nachwirkungen unschöner Erlebnisse in der Vergangenheit befreien kann, die psychische Schockzustände nach traumatischen Erlebnissen auflösen kann – auch wenn diese lange zurückliegen und sich nunmehr in diversen Blockaden äußern, die einen daran hindern, das Leben in vollen Zügen zu genießen.
Heute brauche ich selbst die Kraft dieser Pflanze nur noch selten, aber regelmäßig suche ich sie in der Natur auf, um meine Freundschaft mit ihr zu bekräftigen, um ihre wunderbare Energie zu genießen und um ihr zu danken für ihre wundervolle Kraft! Und dann erfüllt es mich wieder, dieses zauberhafte Gefühl, dass ich angebunden bin an eine Welt, die hinter den Dingen liegt, und dass ich verbunden bin mit den Wesen, die dort leben und die mich lieben.

Literatur:
Maclean, Dorothy (2006): Du kannst mit Engeln sprechen (2). Neue Botschaften aus dem Reich der Engel und Naturgeister. Aquamarin, Grafing

 

portrait_zutherSvenja Zuther
ist Diplom-Biologin, Heilpraktikerin und Referentin mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Pflanzenheilkunde. In Bohndorf bei Lüneburg betreibt sie die Naturheilpraxis und Seminarorganisation KUDRA NaturBewusstSein. Dort bietet sie zahlreiche Möglichkeiten an, die heilsame Begegnung von Mensch und Pflanze zu erleben, ein naturverbundenes Weltbild und die schamanischen Wurzeln unserer eigenen Kultur wieder zu entdecken.
www.kudra.net • Tel.: 05807-989680


Fotos: Svenja Zuther