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Heilung gemäß den Tierkreiszeichen, Teil 4
Antidepressiva für Steinbock und Wassermann
Von Christina Pfingsten und Christa Wagner
In unserer durch Claus Riemann1 inspirierten Reihe über Tierkreiszeichen und Depression sind wir mit dem Zeichen Steinbock einmal halb um den Tierkreis gelangt. Denn unsere Reihe begann mit der Sommersonnenwende und dem nährenden Mondzeichen Krebs dem Gegenpol des entbehrungsreichen saturngeprägten Steinbock.
Wir haben Muster aufgezeigt, die der Depression zugrunde liegen können: das nahezu vollständige Unterdrücken von Leichtigkeit und Wohlbefinden zugunsten irdischer Schwere, hohen Anforderungen, Leistungsdenken, Verantwortungsgefühl oder Anpassung an die Norm. Aber was unterscheidet dabei die einzelnen Zeichen und wie sieht ihr jeweiliger Heilungsweg aus?
Bei Steinbock und Wassermann haben wir es wieder mit sehr unterschiedlichen Veranlagungen zu tun. Auf den ersten Blick scheint das Tierkreiszeichen Steinbock prädestiniert für depressive Verstimmung nach den oben genannten Kriterien, da die Aufzählung einige Schlüsselbegriffe des Tierkreiszeichens enthält. Aber gerade darum müssen wir beim Steinbock besonders gut differenzieren:
Das erste Winterzeichen, das mit der Wiederkehr des Lichts zur Wintersonnenwende beginnt ist das kardinale Erdzeichen Steinbock. Es ist ein kraftvolles Zeichen voller initiierender Energie, das „handelnd in die Welt eingreift". Der herrschende Planet ist Saturn. Wenn wir uns die Seelenlandschaft des Steinbocks ausmalen wollen, müssen wir die strenge, strukturierende Energie des Saturn mit der Vorstellung einer kalten winterlichen Bergwelt verknüpfen. Es ist eine klare, karge Landschaft voller Entsagungen. Hier ist alles auf das Notwendige reduziert. Der tibetische Eremit, der japanische Zenlehrer, die alte Weise sind Entsprechungen dieses Zeichens. Unter hohem Druck können kristallklare Strukturen geschaffen werden. Riemann spricht auch von der „Diamantschleiferei". Eine Aufgabe, eine Pflicht zu haben ist für den Steinbock wesentlich – er wird eher depressiv, wenn die Aufgabe getan ist. Hier helfen Wellness-Empfehlungen wenig. Der Steinbock werde eher in der Hängematte als im Steinbruch depressiv, sagt Riemann1 dazu.
Die große Leistungsbereitschaft, das Verantwortungsgefühl, der Wille zur Pflichterfüllung, sind also die Lebensmittel des Steinbocks, – deren Nähe zu einem gnadenlosen Über-Ich ist offensichtlich – einem inneren Antreiber, dem nichts gut genug ist, und der, wenn er einmal tonangebend geworden ist, jede Menge Schuldgefühle erzeugt. Überspitzt hat Oskar Adler die Schattenseite des Steinbocks als „freudlosen Fronarbeiter" bezeichnet, der das Pech habe, in eigenen Diensten zu stehen. Geiz, Kälte, Erstarren sind dann die Auswirkung.
Für den Steinbock ist es also wichtig, die Grenze zu finden, zwischen freudloser Fronarbeit und dem freudigen Erfüllen einer (Herzens)aufgabe. Wenn Überforderung und Schuldgefühle in der Erziehung eine Rolle gespielt haben, dann wird hinter dem Gefühl der Schuld eine Menge Wut stecken. Riemann sieht in der Annahme, dem schrittweise Kennenlernen dieser Wut einen Heilungsweg für den Steinbock. Schuldgefühle entstehen, wenn man sich unbefangen äußert und damit gegen die Ordnung verstößt. Ein Nein zu den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen wird gefordert. Und genau da steckt die Wut: „ich habe doch nichts Schlimmes getan und werde dennoch bestraft".
Riemann schlägt vor, alle Schuldgefühle zu durchforsten und anstelle von „Ich fühle mich schuldig, weil ..." neu zu formulieren: „Ich bekenne mich zu ..."
Meist gelingt es in der zweiten Lebenshälfte besser, innere Milde sich selbst gegenüber zu entwickeln.
Saturn, der letzte mit bloßem Auge sichtbare Planet, wird auch der Hüter der Schwelle genannt, – diesseits die „harte irdische Wirklichkeit", jenseits das „Reich der Freiheit und Leichtigkeit". Saturn ist der einzige Planet dessen Symbol das Kreuz, Zeichen für das Eingebundensein in die irdischen Gesetzte, an oberster Stelle trägt. Unter dem Kreuz steht der Halbkreis, das lebendig Fließende, Seelische symbolisierend, das hier dem Materiellen untergeordnet ist. Aus dieser Hierarchie darf keine Knechtschaft werden, denn letztlich sehnt sich der Steinbock nach Erlösung von der Härte und Strenge seiner einsamen, winterlichen Welt (Stichwort: Körpertherapie), so wie es in seinem Gegenpol, dem wässrigen, gefühlvollen Sommerzeichen Krebs angedeutet ist.
Schauen wir zum Wassermann, könnten wir auf den ersten Blick mutmaßen, dass er vor Depression gefeit sein müsste, da er sich unter seinem Herrscherplaneten „Uranus" (übers. Himmel) doch im „Reich der Freiheit und Leichtigkeit" befindet. Das Ausbrechen aus dem „alten System" ist hier Lebensthema. Uranus wurde zur Zeit der Französischen Revolution entdeckt – als die Zeit reif dafür war. Bis dahin herrschte Saturn2 auch über das Zeichen Wassermann und ist bis heute co-ruler, der alte Herrscher geblieben. Diese Zuordnung legt nahe, dass zur Freiheit des Uranus auch die Verantwortung und irdische Verankerung des Saturn als Gegenpol gehören.
Uranus / Wassermann ist verrückt, passt nicht ins alte Schema. Um die gesunde Lebenshaltung der Wassermann-Geborenen zu verdeutlichen erzählt Riemann ein Gleichnis:
Laotse geht mit seinen Schülern durch den Wald und an einer Stelle sind gerade alle Bäume gefällt worden, nur ein riesiger, sehr krumm gewachsener Baum stand noch dort. Die Holzfäller sagten, sie ließen ihn stehen, weil er zu nichts taugt, er sei zu krumm, um daraus Möbel zu fertigen und als Feuerholz tauge diese Sorte auch nicht. Da sagte Laotse zu seinen Schülern: „Seht ihr, ihr müsst so krumm und schief sein wie dieser Baum dann werdet ihr groß werden wie er und tausend Äste bekommen und zehntausend Menschen werden unter euch Schatten finden. Also: Tauge nichts und freue dich."
So, und wer traut sich das? Unter der Diktatur des „man müsste" leidet also der Wassermann vielleicht am meisten – und verbiegt sich innerlich, um äußerlich glatt und gerade zu erscheinen. Wer da als Kind keinen Trotz leben durfte, oder unhaltbare Situationen nicht verlässt, leidet unter angestauter und unterdrückter Lebensenergie. (Hilfreich: Atemtherapie und Tanz).
Das Entwickeln der eigenen Individualität, aus dem Bewusstsein heraus, dass alle Menschen einzigartig sind und daher die Freiheit brauchen, auf ihrem Weg zum Ziel zu gelangen, das ist die Triebfeder des Wassermanns. Er muss, zumindest innerlich, immer wieder aufbrechen, um erstarrte Strukturen zu verlassen, hinausziehen, um eine leichtere und freiere Seinsvariante zu entdecken. Damit er aber nicht im für den Wassermann sprichwörtlichen Elfenbeinturm verharrt, kommt ihm die Aufgabe zu, diese Entwicklungsimpulse in sein Leben zu integrieren. Ganz wie der Held im Märchen vom „Goldenen Vogel", der in die Welt zieht und dort etwas findet, was er ins alte Königreich zurück bringt. Und wie im Märchen haben die uranischen Heldinnen und Helden auf ihrer Heimreise mit Widrigkeiten zu kämpfen. Wenn sie nämlich ein freies, ihnen gemäßes, meditatives Lebensgefühl in eine lebensfeindliche Alltagswelt überführen wollen. „Ist man wieder im Alltagsgrau, im vertrauten Rattenrennen gelandet, haben die Brüder den goldenen Vogel geraubt."2 Aber diese Brüder sind immer innen und außen zugleich: Außen ist es die Umgebung, die niemanden ungestraft aus der Norm entlässt und Innen das alte Tochter- oder Sohnmuster. „Vergleiche dich nie, sei dein eigener Maßstab".
Hilfreich kann auch die „kontrollierte Torheit" im Sinne von Castanedas Don Juan eingesetzt werden: Spiel die Spiele der Anderen mit, ohne dich damit zu identifizieren. Und immer wieder neu zu sich selbst aufbrechen, denn der heimgebrachte Schatz ist keine Errungenschaft auf ewig. „Die Aufgabe des Wassermanns ist es, als Narr oder Närrin den Weg nach Utopia zu tanzen, einer Vision zu folgen." Und sich dabei nie mit anderen zu vergleichen, sondern sich selbst der Maßstab zu sein.
Einsamkeit, Vernachlässigung der Herzensenergie sind Gefahren auf diesem Weg, die durch Freundschaft, ein Wassermann-Schlüsselbegriff, gebannt werden. Dem entgegen liegenden Löwezeichen zugeordnet ist die Herzenswärme, die der Wassermann oft schmerzlich entbehrt und die es für ihn zu entwickeln gilt. Auch die Spannung zwischen König und Hofnarr liegt in diesem Gegensatz und wenn der Narr gut ist, genießt er vollkommene Freiheit am Hof des alten Königs ...
Fußnoten:
1 Zitate und weitere Verweise beziehen sich auf:
„Zwölf Gesichter der Depression – Zwölf Wege der Heilung von Claus Riemann, ersch. im Eigenverlag, 1. Aufl. 2009, S. 71-82
und Claus Riemann „Der tiefe Brunnen", München 2007 (Verl. Goldmann Arkana), S. 333-399
2 Früher sah man Saturn mit einem Januskopf, der beide Seiten der Schwelle verkörperte.
Christina Pfingsten und
Christa Wagner
Tel.: 04632-8587, Fax: 8586, Email: Kalleby10@t-online.de
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