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Der kleinkarierte Blick oder

Grenzen – Gitterzäune – Gefangensein

Angst vor Freiheit?

Von Hadeswintha Schröer

Beim Gehen mit dem Hund fällt es am meisten auf: wo er früher ungehindert über leicht ungepflegte Rasenstücke tollen konnte, stehen jetzt Zäune. Wie Pilze schießt diese Sorte übernacht aus dem Boden – kleinmaschig, aus Metall, oft mit grünem Kunststoff überzogen (das macht ihn so „naturnah“!). Man sieht ihn in allen Größen, Längen und Höhen. Manche so niedrig, daß ein Hund locker drüberspringen könnte; eine Katze sowieso … Manche sind so hoch, daß nun wirklich niemand mehr darüber klettern könnte. Und dennoch tragen einige dieser Prachtexemplare obendrauf noch einen in wilden Windungen gewickelten Stacheldraht! Ja, sind wir denn im Gefängnis?


Früher war ein Schulhof irgendwie abgegrenzt, aber doch noch offen genug, daß man ihn begehen konnte. Mittlerweile werden diese heiligen Gründe abgeriegelt, als wollte jemand den Boden stehlen. Noch vor einiger Zeit konnte man das hübsche Gelände um die Schwimmhalle herum, voll mit Bäumen und Büschen, frei betrachten. Man hätte es sogar betreten können. Jetzt „schützt“ ein zwei Meter hoher Zaun dieses Grundstück. Vor was oder wem? Der Anblick ist kleinmaschig, kleinkariert geworden …

Da gibt es ein großes Areal, auf dem Wohnungen für 25.000 Menschen gebaut wurden. Letzthin wurden diese Blöcke nach und nach renoviert und modernisiert. Sie waren von Anfang an eingebettet in viel Grün, das ein gesundes, entspanntes Wohnen möglich macht. Zwischen den Wohnblöcken tummelten sich allerlei Kinder, viele Vögel und niedliche Kaninchen, manchmal auch eine Katze oder (m)ein Hund. Nun ist das vorbei, denn um jeden Kasten herum ist ein Kasten aus Draht gezogen – damit man auch ja weiß, in welches „Quartier“ (im wahrsten Sinne des Wortes!) man gehört. Die Kinder spielen nicht mehr gemeinsam, sondern vereinzelt, woanders. Die Vögel haben sich zurückgezogen, Kaninchen sieht man nur noch vereinzelt. (und mein Hund bleibt brav auf den Wegen). Schöne, heile Welt hinter Gittern …

Warum diese Abgrenzungen?
Auch in den so beliebten Reihenhaussiedlungen wachsen diese Zäune. Früher haben die Leute, in Anbetracht der sowieso schon sehr kleinen Parzellen, gemeinsam beschlossen, keine Begrenzungen zu setzen, damit alles etwas großzügiger wirken konnte. Mittlerweile müssen Zäune her, die dem Nachbarn deutlich zeigen: Bis hierher und nicht weiter! Das ist mein Land! – Wovor haben die Bewohner eigentlich Angst?
Mir kommt es so vor, als ob Grenzen ziehen ein Hobby der Deutschen geworden ist. Wohin ich auch reise, überall das gleiche Spiel – Zäune, Gitter, Abgrenzung. Vor Jahren sagte mir mal ein Russe auf einer Messe, ihm käme Deutschland vor wie ein Gefängnis. Darüber war ich leicht empört, aber er meinte: überall stehen Zäune. In Rußland wäre viel mehr Weite und eben keine Eingrenzungen. Vor 10 Jahren konnte ich ihm da nicht rechtgeben. Inzwischen komme ich mir selber vor wie in einem Gefängnis. Warum müssen wir dauernd auf oder durch Gitterstäbe blicken? Ist die allgemeine Verunsicherung der Menschen so weit gediehen, daß sie eine (Schein)Sicherheit im Umzäunen suchen? Vor was wollen sie sich damit schützen? Einbrecher hält man mit einem Zaun nicht ab …

Seit Jahren beobachte ich, daß viele Leute Weite einfach nicht ertragen. Da haben sie ein schönes, großes Grundstück und was machen sie? Unterteilen es in viele, abgetrennte Bereiche. Natürlich braucht man eine kuschelige Rückzugszone; aber zehn winzige Abteilungen, selbst in den kleinsten Kleingärten? Ich vermute, daß dahinter eine tiefe Angst vor Freiheit steckt. Im Endlosen lösen wir uns auf; da verlieren wir uns. Verlieren die Orientierung, den Halt. Wir brauchen etwas, um uns daran festzuhalten (zu klammern?); wir „kaschteln“ uns gerne ein. Da können wir uns einrichten und haben ein Gefühl von Sicherheit, haben unsere überschaubare Ordnung. Aber wie oft ist diese „Ordnung“ ein Festhalten an überkommenen Mustern, Moralvorstellungen, überholten Meinungen … In der Freiheit muß ich Verantwortung übernehmen; Verantwortung für mich, mein Tun, mein Leben. In der Freiheit kann ich mich nach allen Richtungen ausdehnen, ent-wickeln, voranschreiten. Aber es ist auch keiner da (außer meinem guten Gewissen), der mir sagt, wo´s langgeht. Die Orientierung für meinen Weg muß ich selber finden. Und das ist schwer, wenn man an der allgemein üblichen Ordnung hängenbleibt. Wenn man die Zäune im Kopf hat, wenn das eigene Gehirn das Gefängnis der begrenzten Gedanken ist. Dafür sind äußere Gitterstäbe nur ein äußeres Zeichen …

Nein – es ist ganz leicht und einfach!
Man braucht nämlich nur in sein Herz zu horchen. Unser Herz ist eine unermeßliche Schatzkammer, da sie ständig aus höchster Quelle aufgefüllt wird (wenn wir es denn zulassen können). Dort finden wir alle Antworten. Handeln wir nach dem Diktat unseres Herzens, brauchen wir keine Zäune mehr, weder im Außen noch im Innen.
In diesem Sinne – gehen wir´s einfach und leicht an!

portrait_schroeerHadeswintha Schröer
Studium der Germanistik, Romanistik, Kunstgeschichte und Archäologie, Arbeit als Journalistin, Verlagsredakteurin, Lektorin.
Spirituelle Arbeit seit 1972: Pendeln, Numerologie, Tarot. Seit 1994 Channel für aufgestiegene Meister, Übertragung von kosmischer Heilenergie, Engel-Medium
www.erdheilung.eu